UNN FAHLSTRÖM


Zeit-Wanderer


Unn Fahlström_1


Unn Fahlström_2


Unn Fahlström_3


Als ich dazu eingeladen wurde, am Projekt Erratiker mitzuwirken, interpretierte ich es als ein Projekt, das Deplatzierung und Wandern thematisiert.

Im Gegensatz zum englischen Wort für Findling, erratic (Wanderer), betont das deutsche Wort den Aspekt des Findens: Findling, etwas was gefunden wurde, aber seltsam fehl am Platz wirkt. Wir alle haben uns sicher einmal selbst deplatziert gefühlt: Wie ein Findling, darauf wartend, gefunden und in einen Kontext gerückt zu werden, einen Kontext der uns einen Raum gibt, gar ein Narrativ. Für mich, die in Korea geboren, in Norwegen aufgezogen wurde und in Deutschland eine Heimat fand, ist Deplatzierung Teil meiner Biografie. Deplatzierung ist jedoch nur ein Gesichtspunkt von vielen. Der Findling hatte es etwa nie nötig, gefunden zu werden, denn er selbst war niemals verloren oder fehl am Platz. Er ist einfach ein Wanderer, bewegt vom Eis, wandernd durch die Zeit.

Ich betrachte den Container selbst als Findling. In seinem Innern erkunde ich Erzählstrukturen, die auf Zeit als einzelne Momente, die in die Form einer kontinuierlichen Linie gebracht wurden, Bezug nehmen. In vier großformatigen Stoffwerken visualisiert die Punkt-für-Punkt-Bewegung des Fadens durch den Stoff die Zeit und ist mithin eine Spur unserer konkreten Handlungen. Insofern kartieren die Stoffwerke unsere Existenz und die mit Doppelebenen realisierten Photographien entsprechen einem Schnappschuß.


www.unnfahlstrom.com